Das Verbot von illegaler Kinderarbeit

Man mag es als Spitzfindigkeit abtun, doch es bleibt unglücklich formuliert und irritiert. Der Getränkehersteller Pfanner setzt sich bei seinen Fairtrade-Säften für das “Verbot von illegaler Kinderarbeit” ein. Das ist vermutlich gut gemeint: Man muss etwas gegen Kinderarbeit tun! Doch wie verhält es sich, wenn man etwas Illegales verbieten möchte – soll es dann erlaubt werden?

Verbot von illegaler Kinderarbeit

Das “Verbot von Kinderarbeit” ist ein ehrenwertes Ziel. Deshalb fragt man sich, warum Pfanner es nicht dabei belässt, sondern eine Einschränkung trifft: Es wird zwischen legaler und illegaler Kinderarbeit unterschieden und nur für eines von beidem ein Verbot gefordert. Kinderarbeit soll hier nicht generell verboten werden, sondern offenbar nur der Typus “illegaler” Kinderarbeit. Legale Formen von Kinderarbeit scheint man bei Pfanner hinzunehmen.

Bleibt also die “illegale Kinderarbeit” zu diskutieren. Kinderarbeit ist in vielen Ländern – wenn überhaupt – nur unter strengen Auflagen legal. Dabei sagt die Existenz von Gesetzen noch nichts darüber aus, ob dieses Recht durchsetzbar ist. Kinderarbeit ist häufig einfach den Lebensumständen in Armut geschuldet und dient zur Existenzsicherung der Familien. Selbst wenn Kinderarbeit verboten ist, sind viele Familien darauf angewiesen. Die Einhaltung des Verbotes kann nicht wirksam eingefordert werden.

Deshalb diskutiert man in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern die grundsätzliche Legalisierung der Kinderarbeit, um zumindest die Möglichkeit zu bekommen, die Arbeitsbedingungen für Kinder graduell verbessern zu können: in einer Arbeitszeitregelung, dem Verbot von Schwerstarbeit und Prostitution oder im Gesundheitsschutz. Vor diesem Hintergrund macht der Unterschied von legaler und illegaler Kinderarbeit Sinn: Die Arbeit als Stadtführer nach der Schule ist dann vielleicht legale Kinderarbeit (die Tätigkeit unterstützt die schulische Ausbildung), während das ganztägige Schleppen von Obstkisten auf Plantagen illegale Kinderarbeit sein mag (die Belastung schadet der körperlichen Entwicklung).

Kommen wir damit zurück zur Formulierung von Pfanner: das Verbot von illegaler Kinderarbeit. Geht es hier am Ende tatsächlich darum, sich für eine Legalisierung von Kinderarbeit einzusetzen? So, als müsste man die vielen beschäftigten Kinder bei Pfanner endlich aus der Illegalität holen? Oder wurde hier einfach nur ein falsches Wort gewählt – geht es also eigentlich um ein Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit?

Vermutlich hat nicht einmal Pfanner an dieser irritierenden Formulierung die Schuld! Stattdessen wurde hier wahrscheinlich einfach der Text übernommen, den FAIRTRADE vorgegeben hat, denn auch auf deren Homepage findet sich diese Formulierung:

Produkte mit dem Fairtrade-Siegel schaffen bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für Bauern, Bäuerinnen, Arbeiter und Arbeiterinnen und stehen für das Verbot von illegaler Kinderarbeit.

Und die müssen es ja eigentlich wissen!

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Paradoxien

Erst neulich habe ich Paradoxien von R. M. Sainsbury gelesen und davon, dass sich Paradoxien in Schweregrade einteilen lassen, je nachdem, wie leicht die zugrundeliegenden Annahmen zu widerlegen sind. Ich halte das ehrlich gesagt für Quatsch! Hier werden Paradoxien lediglich mit logischen Taschenspielertricks verwechselt.

Ob es sich aber bei den Beispielen in folgendem Film um echte Paradoxien handelt, mögen die Zuschauer selbst entscheiden…

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Key Works In Sociology

Grundsätzlich freut es mich ja, wenn soziologische Themen in Infografiken thematisiert werden. Insofern war ich auf den zweiten Blick fast etwas enttäuscht, dass die nachstehende Grafik offensichtlich einer anderen fachlichen Kultur als der meinen angehört. Wo sind zum Beispiel Simmel, Habermas, Luhmann oder Foucault? Doch seht selbst…

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Artificial Peace

Der im Vorübergehen aufgeschnappte Titel irgendeiner Ausstellung mutet paradox an, denn künstlicher Friede ist keiner. Immerhin hat der Titel auf diese Weise genug Aufmerksamkeit auf sich gezogen, um ihn als Anlass zu nehmen, einen kurzen Moment über das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit zu sinnieren.

Das Künstliche an Kunstwerken verweist auf eine Autorenschaft, die sich, wenn nicht genau klären, doch immerhin als Gegebenheit an sich unterstellen lässt: natürliche Kunst gibt es nicht.

Auch für den Frieden ist die Autorenschaft von größter Wichtigkeit. Hier geht es darum, (mindestens) zwei Konfliktparteien zum Ausgleich zu bringen und dazu ist es nicht immer dienlich, die einseitige Initiative zum Friedensschluss in die Versöhnungsgeschichte einzuschreiben. Der Diktatfrieden ist ebenso einseitig wie die Unterwerfung; und beide bergen das Risiko, die Grenzen des Konflikts festzuschreiben. Wo Friede auf einzelne Urheber zurückgeführt werden kann, ist sein einziger Rückhalt, dass diese Autorenschaft entgegen aller Wahrscheinlichkeit nie beschädigt werden möge. Der beste Friede ist dagegen der, der die Streitparteien nachhaltig vergessen macht und die Grenzen zwischen ihnen verwischt; ein Friede der durch und durch natürlich wirkt.

Und so ist der künstliche Friede deshalb verwundbar, weil er Fragen nach der Urheberschaft des “Künstlichen” aufwirft, gleichzeitig den Frieden darin aber demontiert, indem er implizit die Konfliktlinien thematisiert. Im künstlichen Frieden schlummert der Konflikt weiter, er wahrt seinen Schein nur als Waffenstillstand: künstlichen Frieden gibt es nicht.

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Die normative Macht des Theoretischen

Im Fernsehen spricht ein Kommentator davon, dass die Finanzmärkte im Moment vor allem eines beweisen: nämlich dass es kein Gleichgewicht gibt, auch wenn alle Marktteilnehmer wie sie wollen handeln können. Es sei eben grundsätzlich gefährlich, ein wissenschaftliches Modell zur blosen Deskription der Märkte präskriptiv umzudeuten.

Der vor dem Bildschirm denkende Zuschauer fragt sich dann für einen Moment, ob die wissenschaftliche Deskription solcher Fehlschlüsse hier nicht ebenfalls präskriptiv dafür genommen wird, generell keine allgemeinen praktischen Konsequenzen aus empirischen Beobachtungen ziehen zu dürfen.

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